Positive Self-Leadership mit dem PERMA-Dashboard

Die Grundlage für Positive Leadership bilden eben nicht nur Methoden und Tools, sondern in erster Linie die eigene Haltung und das eigene Verhalten. Positive Leadership beginnt somit mit dem Positive Self-Leadership – einer stärkenorientierten Selbstführung. Ich lade Sie in diesem Reader ein, anhand des PERMA Modells das eigene Self-Leadership zu reflektieren und zu verbessern.

Wie kam ich zu Self-Leadership und Selbstführung?

Ich unterstütze seit 2013 Menschen dabei, ihre eigenen Potenziale zu entdecken und zu entwickeln. Die Beratung besteht aus einem Erstgespräch, einer Testphase (mit psychologischen Tests) und einem Auswertungsgespräch. In den Persönlichkeitstests fällt mir sehr häufig auf, dass die Kunden oft zu wenig oder gar nicht auf die eigenen Bedürfnisse achten. Oft ist es ihnen nicht so bewusst. Noch häufiger trauen sich die Kunden nicht, etwas zu unternehmen. In der Arbeitswelt hat dies oft mit hierarchischen Strukturen zu tun. Auch im privaten Umfeld lässt man sich gerne von außen leiten „Ich kann ja nicht, weil mein Chef / mein Vater / meine Mutter …“ Man will es recht machen, und stellt externale Bedürfnisse und Anforderungen in den Vordergrund. Dabei vergisst auf eine Person – auf sich selbst.

Gesunde Selbstführung bzw. Positive Self-Leadership kann man (grob) unter zwei Blickwinkeln betrachten. Einerseits auf der Methoden- und Tools-Ebene und anderseits auf der persönlichen Ebene.

Bei den Methoden und Tools geht es z.B. um

  • Zeitmanagement: 2 Minuten Regel, 72 Stunden Regel, Kanban-Board, …
  • Prinzipien: Eat the frog, Zero Email Box, …
  • Tools: SMART, VARES, …

Glückliche Menschen sind erfolgreicher – nicht umgekehrt!

In einer Metastudie von Lyubomirsky (2008) wurden über 225 Einzelstudien analysiert. Zufriedene Mitarbeiter*innen erreichten im Durchschnitt eine um 31 % höhere Produktivität, 37 % mehr Verkaufsabschlüsse sowie eine dreimal (!!!) so hohe Kreativität. Zudem wurde eine deutlich erhöhe Leistungsfähigkeit festgestellt.

Eine aktuelle Studie der Universität Oxford zeigt ähnliche Ergebnisse. Die Befragten (n=1800) zeigten um 13 % höher Verkaufsabschlüsse, in Wochen in denen sie sich glücklich einschätzten.

Auch immer wieder interessante Erkenntnisse liefert der Erfinder des PERMA-Lead©-Profilers Markus Ebner mit seinem Team. Hier zwei wirklich interessante Ergebnisse zu Positive Leadership. In einer Pilotstudie aus dem Vorjahr (2019) wurden Extremgruppen verglichen: Führungskräfte mit hohen PERMA-Lead Werten mit solchen mit niedrigen. Es zeigte sich, dass dies nicht nur zu deutlich zufriedeneren, motivierteren und gesunderen Mitarbeitern*innen führt, sondern auch zu höherer Kundenzufriedenheit und sogar höheren Verkaufszahlen. Ebenso bemerkenswert sind Ergebnisse einer bislang noch nicht publizierten Studie (Frühwirt & Ebner, 2020). In Team mit ausgeprägten Positive Leadership (gemessen durch höhere PERMA-Lead Werte) sind die Mitarbeiter*innen im Durchschnitt deutlich zuversichtlicher, gut durch eine Krise zu kommen.

PERMA und Positive Leadership hat also nichts mit sogenannter „Sozialromatik“ zu tun!

Es ist kein „Nice-to-have“ – es ist ein „Must-have!“

PERMA als Grundlage für Glück und Wohlbefinden

In der Pflanzenwelt wird PERMAkultur mit nachhaltiger Landwirtschaft und Gartenbau assoziiert. In der Positiven Psychologie sprechen wir von Aufblühen bzw. vom Flourishing. Der Vergleich lässt sich noch weiter „spinnen“. In der PERMAkultur geht es hie wie da nicht nur um „ein bisschen aufblühen“ oder etwas „möglichst effizient zum Blühen zu bringen, um die Ernte zu maximieren.“ 

Es geht um einen ganzheitlichen Ansatz, der auf wissenschaftlichen, evidenzbasierten Erkenntnissen aufbaut, und gänzlich auf „esoterischen Hokuspokus“ verzichtet. 

PERMA ist ein Akronym und wurde vom Martin Seligman (2011) entwickelt und konzipiert. Mittlerweile sind die theoretische Fundierung und die Wirksamkeit von PERMA vielfach belegt.

„P is positive emotion, E is engagement, R is relationships, M is meaning and A is accomplishment. Those are the five elements of what free people chose to do. Pretty much everything else is in service of one of or more of these goals. That’s the human dashboard.“                                                                            

Martin Seligman (*1942)

Der Begriff Flourishing ist aus der Pflanzenwelt entlehnt, und lässt sich mit „Aufblühen“ übersetzen. Dazu zählen das bewusste Wahrnehmen und Erleben

  • von positiven Eindrücken und Erfahrungen,
  • das Meistern der Aufgaben im Beruf und im Alltag,
  • das Erleben von unterstützenden Beziehungen,
  • von sinnvollen und sinnstiftenden Aufgaben und Tätigkeiten und
  • von Erfolgserlebnissen. 

Das Ausleben von PERMA – sowohl in der Arbeit als auch im Alltag – stärkt das persönliche Wohlbefinden und die psychische Widerstandskraft (die Resilienz). Zum Wohlbefinden zählen unter anderem Arbeits- und Lebenszufriedenheit sowie Glückserleben. Ein Wort zum Glückserleben: Man kann zwischen hedonistischen Glückerleben („Spaß haben“) und eudaimonischen Glückserleben („Werteglück“) unterscheiden. In der Forschung spricht man auch gerne vom eudaimonic Wellbeing, also vom eudaimonischen Wohlbefinden. Im vorliegenden Reader ist daher meist vom Wohlbefinden die Rede, auch wenn man im Alltag auch Glück oder Glückserleben sagen könnte.

Das PERMA-Dashboard als Analysetool

Eine Analyse dient meistens zur Bestimmung des IST-Zustandes und zur Erreichung wichtiger (strategischer) Ziele. Martin Seligman hat in seinen Vorlesungen das PERMA Konzept („The human Dashboard“) mit einem Flugzeug-Cockpit verglichen. Da die meisten unter uns eher selten bis gar nicht in einem Flugzeug-Cockpit sitzen, versuche ich den Vergleich mit einem Cockpit eines Autos.

Wenn man mit einem Auto von A nach B fahren will, hat man mehrere Entscheidungskriterien, wie man vorgehen kann.

Möchte ich mit möglichst wenig Spritverbrauch von A nach B kommen, werde ich darauf schauen mit geringer Drehzahl und niedriger Geschwindigkeit voran zu kommen. Möchte ich dabei die Landschaft genießen, werde ich eher Landstraßen den Autobahnen vorziehen. Und wenn ich möglichst schnell dort sein möchte, werde Autobahnen vorziehen und möglicherweise den Spritverbrauch nicht berücksichtigen können. Kurzum: Je nach vordergründigem Ziel werde ich einen Faktor in den Mittelpunkt stellen. Dies funktioniert bei relativ einfachen Problemstellungen mit trivialen Maschinen wie eben z.B. Autos.

Der Mensch ist jedoch ein komplexeres, soziales Wesen, eine nicht-triviale Maschine wie es Heinz von Foerster einmal formulierte. Deshalb brauchen wir mehrere Bezugspunkte, mehrere Messinstrumente auf die wir achten müssen, um unser Ziel zu erreichen. Man könnte es auch mit dem Dashboard bzw. dem Cockpit eines Flugzeugs vergleichen.

Wenn wir Pilot für unser eigenes Leben sein wollen, und unser Ziel ein angenehmer Flug ist – im Sinne von Glückserleben, Wohlbefinden und Flourishing (Aufblühen), dann sollte wir immer unser persönliches PERMA Dashboard im Auge behalten.

Das PERMA-Dashboard als Steuerinstrument: Ein Mischpult für Wohlbefinden

Während meines Studiums in Salzburg durfte ich in der Gründerphase des Freien Radios, der Radiofabrik, dabei sein. Zu Beginn hatten wir noch kleine 4 und 8 Spur Mischpults. Im ersten echten Studio waren es dann 16 Spuren. Auf jeder Spur befand sich eine Tonquelle: Mikro 1, Mirko 2, CD 1, CD 2, PC-Audio, usw. Viele von uns kamen so mit professioneller Audiotechnik in Berührung, und lernen diese nach und nach besser kennen.

Eines der wichtigsten Prinzipien war das sogenannte Aussteuern. Also wie laut ist die jeweilige Tonspur. So konnten Menschen die sehr laut und solche die eher eine ruhige Stimme hatten mit demselben Mikrophon arbeiten und Sendungen gestalten.

Einerseits musste man beachten, nicht zu laut zu werden. Dann wurde das Signal abgeschnitten und er krachte im Radio. Also schon eher im oberen Bereich, aber eben nicht zu hoch.

Anderseits musste man darauf achten, dass das Tonsignal nicht zu leise wurde. Dies war manchmal bei schlechten Tonaufnahmen wie z.B. Interviews mit lauten Hintergrundgeräuschen durchaus eine Herausforderung. Bei guten Tonaufnahmen, wie z.B. beim Abspielen einer CD, war es jedoch ein Kinderspiel.

Warum erzähle ich Ihnen diesen Vergleich?

Weil die Metapher des PERMA-Dashboards genauso funktioniert. Es besteht einerseits die Gefahr, dass man auf einer einzelnen Spur zu laut wird. Das könnte bedeuten, dass man in der täglichen Routine zu stark auf Sinn-Erleben fixiert ist. Und im Gegenzug zu wenig auf das Aufbauen von unterstützenden Beziehungen und / oder das bewusste Wahrnehmen von Erfolgen vergisst.

Das Übersteuern am Mischpult kann mit dem übermäßigen Ausleben von Stärken gleichgesetzt werden. Manchmal wird man erst so richtig gut, wenn man seine größten Stärken etwas zurücknimmt: Humor gezielt einsetzen, Zurückhaltung statt übermäßiger Bescheidenheit, Zuhören und neues erfahren, usw.  Genauso wie ein starkes Tonsignal, dann am besten ist, wenn man es gut aussteuert.

Wenn ein Kanal zu niedrig aussteuert, muss man diesen lauter aufdrehen. Wenn dies nicht reicht braucht man einen Verstärker. Das Pendant zum Verstärker sind in der Positiven Psychologie die Positive Interventions. Diese haben eine durch Studien nachgewiesene gesundheitsfördernde Wirkung und sollen leicht und täglich anwendbar sein, sodass man diese gut in den Alltag integrieren kann.

PERMA-Dashboard: Neugierig?

Deshalb gibt´s im vorliegenden Selbstlernkurs inkl. Reader für jeden Faktor zumindest eine Positive Intervention, die Sie sofort ausprobieren können!

Was ist Self-Leadership?

Self-Leadership ist ein zielorientierter und selbstbeeinflussender Prozess zur Steigerung der persönlichen Effektivität und Leistung.
Self-Leadership steigert sowohl die Selbstmotivation und Leistung, und ist eine wichtige Voraussetzung für aktives und effektives Leadership.

Der fähigkeitsbezogene Self-Leadership-Ansatz besteht aus drei Strategiedimensionen:
1.      Kognitionsbasierte Strategien: Selbstbeobachtung, Selbstzielsetzung, Selbstverbalisierung, Selbsterinnerung
2.      Natürliche Belohnungsstrategien: Positiver Fokus, Intrinsifizierung, Erfolgsvisualisierung
3.      Soziale Self-Leadership-Strategien: Gruppenoptimierung, Leistungsbezugnahme

Quelle: Furtner (2016, 2017)

Was ist Positive Self-Leadership?

Positive Self-Leadership wendet die Erkenntnisse und Interventionsmethoden der Positiven Psychologie auf die Selbstführung bzw. das Self-Leadership an. Diese vier Kernelemente stehen beim Positive Self-Leadership (Du Plessis, 2019) im Mittelpunkt:

1.      Charakterstärken
2.      Fähigkeiten und Talente
3.      Soziale Kompetenzen
4.      Interessen

Was ist der Unterschied zwischen Leadership und Self-Leadership?

Während beim Self-Leadership Beeinflussung von inneren (gedanklichen) Prozessen einer Person (=ich selbst) im Mittelpunkt steht, fokussiert sich Leadership auf die äußere Beeinflussung von anderen Personen konzentriert.
·        Self-Leadership bezeichnet man deshalb als effektive Selbstbeeinflussung: „Yes I can!“ Oftmals wird der Begriff Selbstführung synonym verwendet.
·        Leadership ist demnach die effektive Fremdbeeinflussung: „Yes we can!“ Leadership lässt sich am besten mit Führungsarbeit bzw. Führung übernehmen übersetzen.

Leave a Comment