Positive Self-Leadership mit dem PERMA-SL-Dashboard

Die Grundlage für Positive Leadership bilden eben nicht nur Methoden und Tools, sondern in erster Linie die eigene Haltung und das eigene Verhalten. Positive Leadership beginnt somit mit dem Positive Self-Leadership – einer stärkenorientierten und potenziafokussierten Selbstführung. Ich lade Sie in diesem Reader ein, das eigene Positive Self-Leadership zu reflektieren und zu verbessern.

Wie kam ich zu Self-Leadership und Selbstführung?

In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit der Positiven Psychologie im Allgemeinen und dem Positive Leadership im Speziellen sowie den Themen Potenzialentfaltung und potenzialfokussierte Entwicklung beschäftigt. Im letzten Jahr sind in Webinaren und in den sozialen Medien (twitter, LinkedIn) immer wieder das Thema „Self-Leadership“ bzw. „Selbstführung“ aufgetaucht. Auch wenn es manchmal nur Teilaspekte davon waren, wie sich bei der genaueren Recherche gezeigt hat. Deshalb habe ich selbst mit der Recherche begonnen, und als ersten Schritt einen kleinen Selbstlernkurs für meine Webseite gestaltet.

Der her vorliegende Selblernkurs (in Form eines mehrteiligen Readers) ist bereits die aktualisierte Version, und enthält Ausschnitte aus meinem aktuellen Buch „Positive Self-Leadership“. Darin wird zunächst der Unterschied zwischen Glück und Wohlbefinden sowie Leadership und Self-Leadership erläutert, und warum das so wichtig für die eigene Gesundheit und das Ausleben der Potenziale ist. Glück hängst stark mit dem subjektiven und hedonistischen Wohlbefinden zusammen. Dabei geht es vor allem um „happiness“ – also Spaß haben und glücklich sein. Das ist zwar auch wichtig. Für eine Langzeitwirkung sollte man jedoch auf das eudaimonische Wohlbefinden (eudaimonic wellbeing) achten. Das Wort „eudaimonisch“ kommt übrigens von Aristoteles und bedeutet so viel wie „ein gutes Leben führen“ und „seine Potenziale entfalten“. Daher kommt auch der Untertitel „Potenzialentfaltung und Wohlbefinden für Beruf und Alltag“

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Positive Leadership needs Positive Self-Leadership

Beim Thema Leadership wird aktuell viel über die komplexen Herausforderungen diskutiert. Bei der Frage, was erfolgreiche Führungsarbeit ausmacht, kommt jedoch häufig ein wesentlicher Faktor zu kurz: die inneren Prozesse des Leaders. Denn für effektives Leadership ist Self-Leadership eine wichtige Voraussetzung.

Leadership wird gemeinhin mit Führungsarbeit oder der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, gleichgesetzt. Es ist eine effektive Fremdbeeinflussung im Sinne von „Yes, we can!“. Positive Leadership fokussiert ganz im Sinne der Positiven Psychologie auf die Stärken und Ressourcen der Mitarbeiter. Ein wichtiger Leitsatz lautet dabei: „Schwächen managen, Stärken stärken, Potenziale ausleben!“

Während sich der Begriff Leadership auf die Beeinflussung anderer Personen bezieht, versteht man unter Self-Leadership die Beeinflussung eigener innerer oder gedanklicher Prozesse. Es ist also eine effektive Selbstbeeinflussung im Sinne von „Yes, I can!“. Oftmals wird der Begriff Selbstführung synonym verwendet. Beim Positive Self-Leadership steht gemäß der Positiven Psychologie die Fokussierung auf die eigenen Potenziale, also die besonderen Talente und Begabungen, im Mittelpunkt. Es ist somit Selbstführung auf der Grundlage der Positiven Psychologie.

Warum Positive Self-Leadership so wichtig ist?

Ich unterstütze seit 2013 Menschen dabei, ihre eigenen Potenziale zu entdecken und zu entwickeln. Die Beratung nennt sich „Potenzialanalyse“, und besteht aus einem Erstgespräch, einer Testphase (mit psychologischen Tests) und einem Auswertungsgespräch. In diesen Coachingprozessen fällt mir häufig auf, dass viele Coachees (bzw. meine Kunden*innen) zu wenig oder gar nicht auf ihre Bedürfnisse achten. Dies ist ihnen oft gar bewusst. Sie nehmen es als gegeben hin, und hinterfragen es deshalb auch nicht. Noch häufiger trauen sich die Kunden*innen nicht, etwas zu unternehmen. In der Arbeitswelt hat dies oft mit hierarchischen Strukturen zu tun. Auch im privaten Umfeld lässt man sich gerne von außen leiten „Ich kann ja nicht, weil mein Chef / meine Partner*in / mein Vater / meine Mutter will von mir, dass ich …“ Man will es allen recht machen, und stellt externale Bedürfnisse und Anforderungen in den Vordergrund. Die eigenen Bedürfnisse werden dabei vernachlässigt. „Auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, hat nichts mit Egoismus zu tun.“ ist eine dabei effektive Rückmeldung – eigentlich schon eine Intervention. Wer auf die eigenen Bedürfnisse achtet, in sich hineinhört, weiß was gut für ihn/sie ist und kann leichter entscheiden, was er/sie machen will. 

Die Grundlage für Positive Leadership bilden eben nicht nur Methoden und Tools, sondern in erster Linie die eigene Haltung und das eigene Verhalten. Positive Leadership beginnt somit mit dem Positive Self-Leadership – einer stärkenorientierten Selbstführung.

Positive Self-Leadership kann man (grob) unter zwei Blickwinkeln betrachten. Einerseits auf der Methoden- und Tools-Ebene und anderseits auf der persönlichen Ebene.

Bei den Methoden und Tools geht es z.B. um Zeitmanagement (2 Minuten Regel, 72 Stunden Regel, Kanban-Board, …), Leitsätze (Eat the frog, Zero Email Box, …) und andere Tools (SMART, VARES, …). Im Reader bzw. ausführlicher im Buch beschäftigen wir uns hauptsächlich mit der persönlichen Ebene, und lernen dazu die acht Faktoren für gelungene Selbstführung kennen.

Glückliche Menschen sind erfolgreicher – nicht umgekehrt!

In einer Metastudie von Lyubomirsky (2008) wurden über 225 Einzelstudien analysiert. Zufriedene Mitarbeiter*innen erreichten im Durchschnitt eine um 31 % höhere Produktivität, 37 % mehr Verkaufsabschlüsse sowie eine dreimal (!!!) so hohe Kreativität. Zudem wurde eine deutlich erhöhe Leistungsfähigkeit festgestellt.

Eine aktuelle Studie der Universität Oxford zeigt ähnliche Ergebnisse. Die Befragten (n=1800) zeigten um 13 % höher Verkaufsabschlüsse, in Wochen in denen sie sich glücklich einschätzten.

Auch immer wieder interessante Erkenntnisse liefert der Erfinder des PERMA-Lead©-Profilers Markus Ebner mit seinem Team. Hier zwei wirklich interessante Ergebnisse zu Positive Leadership. In einer Pilotstudie aus dem Vorjahr (2019) wurden Extremgruppen verglichen: Führungskräfte mit hohen PERMA-Lead Werten mit solchen mit niedrigen. Es zeigte sich, dass dies nicht nur zu deutlich zufriedeneren, motivierteren und gesunderen Mitarbeitern*innen führt, sondern auch zu höherer Kundenzufriedenheit und sogar höheren Verkaufszahlen. Ebenso bemerkenswert sind Ergebnisse einer bislang noch nicht publizierten Studie (Frühwirt & Ebner, 2020). In Team mit ausgeprägten Positive Leadership (gemessen durch höhere PERMA-Lead Werte) sind die Mitarbeiter*innen im Durchschnitt deutlich zuversichtlicher, gut durch eine Krise zu kommen.

PERMA und Positive Leadership hat also nichts mit sogenannter „Sozialromatik“ zu tun!

Es ist kein „Nice-to-have“ – es ist ein „Must-have!“

PERMA als Grundlage für Flourishing

In der Pflanzenwelt wird PERMAkultur mit nachhaltiger Landwirtschaft und Gartenbau assoziiert. In der Positiven Psychologie sprechen wir von Aufblühen bzw. vom Flourishing. Der Vergleich lässt sich noch weiter „spinnen“. In der PERMAkultur geht es hier wie da nicht nur um „ein bisschen aufblühen“ oder etwas „möglichst effizient zum Blühen zu bringen, um die Ernte zu maximieren.“ 

Es geht um einen ganzheitlichen Ansatz, der auf wissenschaftlichen, evidenzbasierten Erkenntnissen aufbaut, und gänzlich auf „esoterischen Hokuspokus“ verzichtet.  PERMA ist ein Akronym und wurde vom Martin Seligman (2011) entwickelt und konzipiert. Mittlerweile sind die theoretische Fundierung und die Wirksamkeit von PERMA vielfach belegt.

Der Begriff Flourishing ist aus der Pflanzenwelt entlehnt, und lässt sich mit „Aufblühen“ übersetzen. Dazu zählen das bewusste Wahrnehmen und Erleben

  • von positiven Eindrücken und Erfahrungen (Positive Emotions),
  • das Meistern der Aufgaben im Beruf und im Alltag (Engagement & Flow),
  • das Erleben von unterstützenden Beziehungen (Relationships),
  • von sinnvollen und sinnstiftenden Aufgaben und Tätigkeiten (Meaning & Purpose)
  • und von Erfolgserlebnissen (Accomplishment). 

Das Ausleben von PERMA – sowohl in der Arbeit als auch im Alltag – stärkt das persönliche Wohlbefinden und ermöglicht die Potenzialentfaltung. Das PERMA-Modell kann auch als Meta-Modell verstanden werden, in dem man verschiedene Modelle unterordnen kann. Daher lag es auf der Hand, das PERMA-Modell als Ausgangspunkt zu wählen. Hierzu möchte ich Ihnen die Metapher des PERMA-Dashboards vorstellen. 

PERMA: The Human Dashboard

In seinen Vorlesungen erzählt Martin Seligman (Seligman et al 2020, Course 1) über den Beginn seiner Präsidentschaft der American Psychological Association im Jahre 1998 und seinen Weg zum PERMA-Modell. Beim Unkrautjäten in seinem Garten gab ihm seine Tochter einen entscheidenden Dankanstoß. Dabei bemerkte er, dass die Psychologie nur halb fertig ist: „I realized, that my profession, psychology, was half-baked. That the part that had been baked and the part that I was proud of was the alleviation of suffering, but the part that was unbaked, the part that was missing, was a psychology of well-being.“ (ebd., Module 1.3).

Für Seligman (ebd.) haben drei wichtige Dinge gefehlt:

  1. Eine psychologische Theorie des Wohlbefindens (theory of well-being). Fast alle Theorien und Modelle in der Psychologie beschäftigen sich Krankheiten und psychischen Störungen – mit dem was fehlt.
  2. Es gibt keine Messinstrumente für Wohlbefinden.
  3. Es gab keine Interventionen, um das Wohlbefinden zu stärken und zu verbessern. Die meisten Interventionen und Therapien zielten darauf ab, das Leiden (durch Krankheit und Störungen) zu vermindern.

Wie sich gezeigt hat, hat sich das PERMA-Modell zum zentralen Paradigma der Positiven Psychologie entwickelt. Seligman bezeichnet in seinen Vorlesungen das PERMA-Modell als das „human Dashboard“.

Woher kommt der Dashboard-Vergleich?

Der Begriff „Dashboard“ bezieht sich ursprünglich auf das Armaturenbrett im Auto oder das Cockpit im Flugzeug. Ein Dashboard ist also ein System zur Visualisierung aktueller Daten, mit dem Ziel der Steuerung des aktuellen Geschehens.

Seligman vergleicht ein Dashboard mit dem Cockpit eines Flugzeugs. Es gibt verschiedenste Messinstrumente wie Tachometer, Höhenmeter, Tankanzeige, Radar, Außentemperatur, Innentemperatur, usw. Die Frage ist: Gibt es eine einzige Anzeige, die anzeigt, wie es dem Flugzeug gerade geht? Bzw. anders formuliert: Reicht es, wenn sich der Pilot auf eine einzige Anzeige konzentriert?

Die Antwort ist natürlich: nein! Es kommt darauf an, welche Prioritäten man setzt:

  • Wenn man versucht, so schnell wie möglich von Wien nach Pennsylvania zu fliegen, ist der Tachometer entscheidend.
  • Wenn man versucht, so bequem wie möglich dorthin zu gelangen, sollte man auf das Wetterradar achten. 
  • Wenn man versucht, so wirtschaftlich wie möglich dorthin zu gelangen, ist die Tankanzeige bzw. die Verbrauchsanzeige, die entscheidende Anzeige.

Es ist also nicht eine einzelne Anzeige, die beschreibt, wie es einem Flugzeug geht. Es hängt von der Mission ab. Je nach Mission und Prioritätensetzung wird man einen Faktor in den Mittelpunkt stellen. Ein Flugzeug hat zwar relativ viele Analyse- und Steuerungssysteme. Ein Flugzeug ist somit sehr kompliziert. Dennoch bleibt ein Flugzeug im Sinne Heinz von Foersters eine „triviale Maschine“. Bei trivialen Maschinen hat ein bestimmter Input einen Output zur Folge. Wenn der Pilot die Schubkraft erhöht, fliegt das Flugzeug schneller. Wenn man im Auto auf das Gaspedal steigt, beschleunigt es.

Wir Menschen verfügen über wesentlich mehr Funktionen, und verfügen zudem über ein Eigenleben. Wir sind daher „nicht triviale Maschinen“. Wir sind komplex. Ein bestimmter Input hat nicht automatisch einen bestimmten Output zur Folge. Dennoch ist es hilfreich, sich zu überlegen, auf welche Faktoren man achten sollte. Und so kommen wir zurück zum PERMA-Modell. Seligman (2020) bezeichnet PERMA als das „Human Dashboard“.

Das PERMA-SL-Dashboard erfüllt somit zwei wichtige Aufgaben

  • Analysetool: Eine Analyse dient zur Bestimmung des aktuellen IST-Zustandes. Dies wird durch die Pegelanzeige im oberen Bereich abgebildet. 
  • Steuerinstrument: Durch das Verschieben des Schiebereglers kann der jeweilige Faktor erhöht (nach oben) oder abgeschwächt (nach unten) werden.
PERMA-SL-Dashboard (c) www.eudaimonic.at

Das PERMA-SL-Dashboard: Ein Mischpult für Wohlbefinden & Potenzialentfaltung

Während meines Studiums in Salzburg durfte ich in der Gründerphase des Freien Radios, der Radiofabrik, dabei sein. Zu Beginn hatten wir noch kleine 4 und 8 Spur Mischpults. Im ersten echten Studio waren es dann 16 Spuren. Auf jeder Spur befand sich eine Tonquelle: Mikro 1, Mirko 2, CD 1, CD 2, PC-Audio, usw. Viele von uns kamen so mit professioneller Audiotechnik in Berührung, und lernten diese nach und nach besser kennen.

Eines der wichtigsten Prinzipien war das sogenannte Aussteuern. Also wie laut ist die jeweilige Tonspur. So konnten Menschen die sehr laut und solche die eher eine ruhige Stimme hatten mit demselben Mikrophon arbeiten und Sendungen gestalten.

Einerseits musste man beachten, nicht zu laut zu werden. Dann wurde das Signal abgeschnitten und es krachte im Radio. Also schon eher im oberen Bereich, aber eben nicht zu hoch.

Anderseits musste man darauf achten, dass das Tonsignal nicht zu leise wurde. Dies war manchmal bei schlechten Tonaufnahmen wie z.B. Interviews mit lauten Hintergrundgeräuschen durchaus eine Herausforderung. Bei guten Tonaufnahmen, wie z.B. beim Abspielen einer CD, war es jedoch ein Kinderspiel.

Warum erzähle ich Ihnen diesen Vergleich?

Weil die Metapher des PERMA-SL-Dashboards genauso funktioniert. Es besteht einerseits die Gefahr, dass man auf einer einzelnen Spur zu laut wird. Das könnte bedeuten, dass man in der täglichen Routine zu stark auf Sinnerleben fixiert ist. Und im Gegenzug zu wenig auf das Aufbauen von unterstützenden Beziehungen und / oder das bewusste Wahrnehmen von Erfolgen vergisst.

Das Übersteuern am Mischpult kann mit dem übermäßigen Ausleben von Stärken gleichgesetzt werden. Manchmal wird man erst so richtig gut, wenn man seine größten Stärken etwas zurücknimmt: Humor gezielt einsetzen, Zurückhaltung statt übermäßiger Bescheidenheit, Zuhören und neues erfahren, usw.  Genauso wie ein starkes Tonsignal, dann am besten ist, wenn man es gut aussteuert. Wenn ein Kanal zu niedrig aussteuert, muss man diesen lauter aufdrehen. Wenn dies nicht reicht braucht man einen Verstärker. Das Pendant zu Verstärkern sind in der Positiven Psychologie die Positive Interventionen. Diese haben eine durch Studien nachgewiesene gesundheitsfördernde Wirkung und sollen leicht und täglich anwendbar sein, sodass man diese gut in den Alltag integrieren kann. Deshalb gibt´s im vorliegenden Reader drei Übungen aus dem Buch, die Sie sofort ausprobieren können!

Hier nocheinmal die Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

Was ist Self-Leadership?

Self-Leadership ist ein zielorientierter und selbstbeeinflussender Prozess zur Steigerung der persönlichen Effektivität und Leistung.
Self-Leadership steigert sowohl die Selbstmotivation und Leistung, und ist eine wichtige Voraussetzung für aktives und effektives Leadership.

Der fähigkeitsbezogene Self-Leadership-Ansatz besteht aus drei Strategiedimensionen:
1.      Kognitionsbasierte Strategien: Selbstbeobachtung, Selbstzielsetzung, Selbstverbalisierung, Selbsterinnerung
2.      Natürliche Belohnungsstrategien: Positiver Fokus, Intrinsifizierung, Erfolgsvisualisierung
3.      Soziale Self-Leadership-Strategien: Gruppenoptimierung, Leistungsbezugnahme

Quelle: Furtner (2016, 2017)

Was ist Positive Self-Leadership?

Positive Self-Leadership wendet die Erkenntnisse und Interventionsmethoden der Positiven Psychologie auf das Self-Leadership (Selbstführung) an. Diese acht Faktoren stehen beim Positive Self-Leadership (Epp 2021) im Mittelpunkt:

1. Positive Emotionen
2. Engagement und Flow
3. Relationships
4. Meaning und Purpose
5. Accomplishment
6. Selbstbestimmung
7. Optimistic Coping
8. Gesundheit

Durch eine ausführliche Recherche (Epp 2021) wurde schnell ersichtlich, dass es auch inhaltlich sehr sinnvoll ist, sich am PERMA-Modell zu orientieren. Neben den fünf PERMA Zutaten wurden noch die Faktoren Selbstbestimmung, Optimistisches Coping und Gesundheit ergänzt. Im Folgenden werden die acht Faktoren im Überblick beschrieben. Vorweg ist zu erwähnen, dass die fünf PERMA-Faktoren über die Definition von Seligman hinausgehen, und um wichtige Aspekte für das Positive Self-Leadership ergänzt werden.

Quelle:
Epp, G. (2021). Positive Self-Leadership. Wohlbefinden und Potenzialentfaltung für Beruf und Alltag. Ein Workbook. BoD. (Mehr Info)

Was ist der Unterschied zwischen Leadership und Self-Leadership?

Während beim Self-Leadership Beeinflussung von inneren (gedanklichen) Prozessen einer Person (=ich selbst) im Mittelpunkt steht, fokussiert sich Leadership auf die äußere Beeinflussung von anderen Personen konzentriert.
·        Self-Leadership bezeichnet man deshalb als effektive Selbstbeeinflussung: „Yes I can!“ Oftmals wird der Begriff Selbstführung synonym verwendet.
·        Leadership ist demnach die effektive Fremdbeeinflussung: „Yes we can!“ Leadership lässt sich am besten mit Führungsarbeit bzw. Führung übernehmen übersetzen.

Was versteht man unter Positive Emotionen?

Beim ersten Faktor des Positive Self-Leadership geht es vor allem darum, dass positive Emotionen mehr sind als „lustig sein“ und Spaß haben“. In diesem Kapitel werden die Arbeiten von Barbara Fredrickson (2009, 2011) vorgestellt. Sie hat die wichtigsten 10 positiven Emotionen ausführlich beforscht, beschrieben, und mit dem Broaden-and-Build Modell den Beweis geleifert, dass man diese erlernen und trainieren kann.

Glossar-Beitrag zu Positive Emotionen

Was ist Engagement und Flow?

Der zweite Faktor des Positive Self-Leadership ist der Motivationsfaktor. Das zentrale Motivationskonzept in der Positiven Psychologie ist das Flow-Erleben nach Csikszentmihalyi (1990, 2014), das ist hier auch namensgebend für diesen Faktor. In diesem Kapitel schauen wir uns die Voraussetzungen und die sieben Merkmale für das Flow-Erleben an. Weiters widmen wir uns der Frage, wie Sie durch das bewusste Ausleben Ihrer Charakterstärken zu höherem Sinn- und Flow-Erleben beitragen können.

Glossar-Beitrag zu Flow

Was versteht man unter Relationship im PERMA-Konzept?

Der dritte Faktor des Positive Self-Leadership ist der Beziehungs- und Kommunikationsfaktor. Wie wir miteinander umgehen hängt von den Kommunikationskompetenzen des Einzelnen und der Kultur des sozialen Umfeldes ab. In diesem Abschnitt beschäftigen wir uns mit den Kompetenzen, die für ein gelungenes miteinander wichtig sind. Spoiler: Es geht um Selbstvertrauen, Vertrauen und psychologische Sicherheit.

Glossar-Beiträge zu Vertrauen und Psychologischer Sicherheit

Was versteht man Meaning und Purpose?

Die Sinnerfüllung bildet den vierten Faktor des Positive Self-Leadership . Die Wichtigkeit des Sinns im täglichen Tun hat uns Simon Sinek (2009) mit dem „Start with Why“ geliefert. Wobei man Why mit Warum, und Wozu und Wofür übersetzen kann. Und genau darum geht’s: Das Erkennen von Sinn im täglichen Tun und das Stärken der eigenen Sinnerfüllung.
Sinnerfüllung in der Arbeit entsteht durch Kohärenz, Zielorientierung, Bedeutsamkeit und Zugehörigkeit. (Schnell 2020).

Glossar-Beitrag zu Sinnerfüllung

Was versteht man unter Accomplishment?

Beim fünften Faktor des Positive Self-Leadership dreht sich alles um das eigene Können und die eigenen Kompetenzen. Damit sind nicht nur die Kommunikations- und Konfliktkompetenzen gemeint (die schon beim Relationships im Mittelpunkt stehen), sondern auch die Fach- und Methodenkompetenzen. Das bewusste Wahrnehmen der eigenen Leistung und das bewusste Vollenden einer Aufgabe sind ein ebenso wichtiger Baustein gelungener Selbstführung.

Glossar-Beitrag zu Accomplishment

Was vertsteht man unter Selbstbestimmung?

Die Selbstbestimmung kommt im Erleben von Freiheit und Autonomie zum Ausdruck, und zählt neben dem Kompetenz- und Anschlussmotiv zu den drei menschlichen Grundbedürfnissen. Selbstbestimmung ist auch wesentliche Voraussetzung für Selbstverantwortung.

Was versteht man unter Optimistic Coping?

Bei diesem Faktor des Positive Self-Leadership geht es um die bewusste optimistische Herangehensweise an alltägliche Herausforderungen. Dieser Faktor hat wahrscheinlich die größte inhaltliche Breite, wenn man die Theorien mit einander vergleicht. Die Problembewältigung wird in der Psychologie auch Coping genannt. Im Grunde geht es darum, hoffnungsvolles, optimistisches und zuversichtliches Denken, Fühlen und Handeln sicherzustellen.

Welche Bedeutung hat Gesundheit für Wohlbefinden und Potenzialentfaltung?

Der Psychologie im Allgemeinen und dem PERMA-Modell im Speziellen wird gern vorgeworfen, sehr kopflastig zu sein und die Regionen unterhalb des Halses zu vernachlässigen. Allein deshalb war schon klar, dass man den Faktor Gesundheit berücksichtigen muss. In vielen Coaching-Einheiten haben Coachees zuerst von körperlichen Problemen erzählt, bis wenig später klar wurde, dass sie einen ausgeprägten Erschöpfungsprozess hinter sich hatten. Dabei habe ich mir mehrmals gedacht, dass meine Coachees dies auch an körperlichen Symptomen (z.B. Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, etc.) hätten wahrnehmen können. Dies hier sollte weder ein Fitness- noch ein Ernährungsratgeber werden, sondern ein Appell die physische und psychische Gesundheit in das Positive Self-Leadership miteinzubeziehen.

PERMA-SL-Dashboard: Neugierig – Sie wollen gleich damit beginnen?

Ich lade Sie ein sich auf den Weg der kleinen Schritte zu machen, weil …

  • Self-Leadership ein Thema für alle ist – und nicht nur für Führungskräfte. Führungsarbeit (Leadership) passiert ständig, und Self-Leadership umso mehr. Es beginnt mit dem Aufstehen und endet mit dem Einschlafen.
  • Self-Leadership mehr ist als nur eine Ergänzung zu den Leadership-Themen und Methoden
  • Das „Positive“ kommt von der Positiven Psychologie.  Dort steht „Schwächen managen, Stärken stärken“ im Mittelpunkt. Es ist also mehr als ein reines „Du musst nur positiv denken, das Schlechte ausblenden, und Du wirst alles schaffen“ Geschwafel.
  • Apropos Geschwafel, das gibt es hier nicht. Die Auszüge (aus dem Buch) orientieren sich an evidenzbasierten, wissenschaftlichen Erkenntnissen.
  • Durch die Übungen können Sie es sofort im eigenen (Arbeits-)Alltag umsetzen. 

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