Sinnerfüllung

Sinnerfüllung in der Arbeit entsteht durch Kohärenz, Zielorientierung, Bedeutsamkeit und Zugehörigkeit. (Schnell et al., 2012, 2013, 2016)

Definition

Das Forscherteam der Universität Innsbruck rund um Tatjana Schnell (2012, 2013, 2016) leitet vier Kernaspekte heraus, aus denen Sinnerfüllung am Arbeitsplatz entstehen kann: Kohärenz, Zielorientierung, Bedeutsamkeit und Zugehörigkeit. Diese vier Aspekte unterstützen das Sinnerleben und Sinnerfüllung. Dadurch wird sowohl das eigene Leben als auch der eigene Job als sinnvoll wahrgenommen:

  1. Kohärenz ist die Passung von Person und Rolle. Arbeitsaufgaben in einem Unternehmen, und die damit verbundenen Rollen, sollten im Idealfall zu der eigenen Persönlichkeit, Zielen und Lebensaufgaben passen.
  2. Zielorientierung: Jedes Unternehmen handelt nach bestimmten Werten und Normen. Wenn „das Unternehmen“ bzw. die Unternehmensführung anders handelt als es vorgibt zu handeln, führt dies zu geringen Sinnerleben. Wenn ein Unternehmen damit wirbt, dass die Mitarbeiter*innen die wichtigste Ressource seien, und auf der anderen Seite keine Überstunden ausbezahlt wird dies als zynisch empfunden. Das Sinnerleben geht gegen null.
  3. Bedeutsamkeit: Tätigkeit und Aufgaben, die wichtig für andere Menschen sind, werden als bedeutsam erlebt. Die Bedeutsamkeit ist von den Konsequenzen der eigenen Arbeitsleistung abhängig. Weiß ich was ich für wen tue? Weiters wird das Erleben von Autonomie und Kompetenz gestärkt.
  4. Zugehörigkeit: Die Mitarbeiter*innen eines Unternehmens nehmen sich als Teil einer großen Gemeinschaft. Sie fühlen sich dadurch verbundener und haben eine höhere emotionale Bindung an das Unternehmen.

Die Bedeutsamkeit der Arbeitsaufgabe hat sich als wichtigste Quelle des Sinnerlebens herausgestellt. Manche Tätigkeiten werden sogar als sinnstiftend erlebt. Wenn durch meine Arbeit etwas Positives entsteht, dass für andere Personen, Abteilungen, Stakeholder, die Gesellschaft oder die Umwelt von Wert ist, wird meine Arbeit als sinnstiftend erlebt. Diese Arbeit dient keinen reinen Selbstzweck, sondern wird auch positiver erlebt und produktiver ausgeführt.

Es ist anzumerken, dass nicht jede Arbeit als sinnstiftend erlebt werden kann. Eine Buchhalterin wird sich schwerer tun als eine Pflegerin. Jedoch sollte jede Arbeit als sinnvoll erlebt werden können.

Impulse und Anregungen: Was können Unternehmen tun, um Sinnerleben zu ermöglichen?

Das Sinnerleben kann vom Unternehmen nicht einfach eingeführt werden. Es gibt jedoch einige Bedingungen, die das Sinnerleben erleichtern können.

  • Passung Person-Rolle-Funktion: Eine höhere Passung zwischen den Kompetenzen einer Person und den Aufgaben erhöht das Ausmaß von Sinnerleben. Mitarbeiter*innen sollten daher zwischen verschieden Aufgaben wählen oder über diese mitbestimmen können.
  • Mitgestaltung: Das Sinnerleben und das Arbeitsengagement steigt, wenn Mitarbeiter*innen selbstbestimmt arbeiten und kreativ mitgestalten können.
  • Solidarität und Kollegialität: Weg von Konkurrenzdenken, hin zu (echter) Solidarität stärkt das Zugehörigkeitsgefühl. Es ist natürlich klar, dass Boni-Zahlungen auch auf Teamebene (und nicht nur für einzelne) erfolgen muss.
  • Unternehmenskultur:  Prinzipien wie Mitbestimmung, Mitsprache, Partizipation, Transparenz oder offene Kommunikation sollten gelebt werden, und nicht nur leere Schlagworte auf der Unternehmenswebseite sein.

 

Quellen:

Höge, T. & Schnell, T. (2012). Kein Arbeitsengagement ohne Sinnerfüllung. Eine Studie zum Zusammenhang von Work Engagement, Sinnerfüllung und Tätigkeitsmerkmalen. Wirtschaftspsychologie, 1, 91-99.

Schnell, T. (2016). Psychologie des Lebenssinns. Springer: Heidelberg, Berlin, New York.

Schnell, T., Hoege, Th., & Pollet, E. (2013). Predicting Meaning in Work: Theory, Data, Implications. The Journal of Positive Psychology.